Was es ist
Was AQAP 2210 ist
AQAP 2210 sind die ergänzenden NATO-Anforderungen an die Software-Qualitätssicherung zu AQAP 2110 oder AQAP 2310. Sie greifen, sobald Ihre Lieferung Software enthält, und es gibt sie, weil Software auf Wegen ausfällt, für die ein auf Hardware ausgelegtes Prüfregime nie gedacht war.
Entscheidend ist das Wort ergänzend. AQAP 2210 ist kein eigenständiges Qualitätsmanagementsystem und wird nie allein genannt. Der Vertrag nennt AQAP 2110 oder AQAP 2310 für das Qualitätsmanagementsystem und AQAP 2210 für die Software in der Lieferung. Die Pflichten addieren sich, sie ersetzen einander nicht.
Welche Ziele die Publikation verfolgt
AQAP 2210 adressiert sowohl die Management- als auch die technischen Prozesse über den gesamten Projektlebenszyklus. Erklärte Ziele sind:
- Transparenz über den Softwareentwicklungsprozess herstellen, damit der Kunde ihn nicht auf Treu und Glauben hinnehmen muss.
- Qualitätsprobleme so früh wie möglich im Lebenszyklus erkennen, solange sie noch günstig zu beheben sind.
- Daten zur Qualitätslenkung rechtzeitig bereitstellen, damit Korrekturmaßnahmen überhaupt noch greifen können.
- Bestätigen, dass Qualität während der Entwicklung eingebaut und nicht nachträglich hineingeprüft wird.
- Sicherstellen, dass die erstellte Software den vertraglichen Anforderungen entspricht.
- Die Software-Unterstützung für Tätigkeiten auf Systemebene sicherstellen, sofern der Vertrag dies verlangt.
- Sicherstellen, dass die Sicherheits- und Schutzbedingungen des Projekts behandelt werden.
Was das in der Praxis bedeutet
Die Publikation enthält neben ihren Begriffsbestimmungen Anforderungen an den Qualitätsplan des Projekts, soweit er die Software betrifft, an den Softwareentwurf sowie an Verifizierung und Validierung. Im Alltag heißt das: ein Plan, an dem der Kunde Sie messen kann, ein Entwurf, der sich auf die Anforderungen zurückführen lässt, die er erfüllt, und Nachweise, dass jede Anforderung tatsächlich verifiziert und nicht nur unterstellt wurde.
Die eigentliche Schwierigkeit liegt selten in der Technik. Sie liegt darin, dass die Nachweise an einer Stelle liegen, die Anforderungen an einer anderen und der Qualitätsplan in einem Dokument, das seit dem Angebot niemand mehr geöffnet hat. AQAP 2210 wird dadurch nachgewiesen, dass diese drei verbunden sind und die Verbindung an dem Tag zeigbar ist, an dem jemand danach fragt.
Das Verhältnis zu AQAP 2110 und AQAP 2310
AQAP 2110 enthält die Anforderungen der ISO 9001 samt der NATO-Zusätze und ist die übliche Grundlage für einen Lieferanten, der entwickelt und fertigt. AQAP 2310 verfährt ebenso mit der EN 9100 für komplexe Vorhaben in Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung. AQAP 2210 setzt auf derjenigen der beiden auf, die Ihr Vertrag nennt, und fügt den nicht softwarebezogenen Teilen der Lieferung nichts hinzu.
Wenn Sie klären, welche Publikationen Ihr Vertrag tatsächlich in Kraft setzt: Die Übersicht über die AQAP-Familie zeigt, wie 2110, 2131, 2210, 2310 und 2105 zueinander stehen.
Eine AQAP 2210-Zertifizierung gibt es nicht
Wie bei jeder AQAP wird die Konformität nicht von einer akkreditierten Zertifizierungsstelle bescheinigt, wie es bei ISO 9001 der Fall ist. Sie wird über die staatliche Qualitätssicherung festgestellt: Die Qualitätsbehörde des Kundenlandes prüft Ihr Qualitätsmanagementsystem und den konkreten Vertrag, mit Zugangsrecht zu Ihren Standorten, Ihren Aufzeichnungen und denen Ihrer Unterlieferanten. Bei Software reicht dieser Zugriff meist weiter, als Lieferanten erwarten, denn die Nachweise, die ein Prüfer sehen will, entstehen während der Entwicklung und nicht an deren Ende.